Skip links

Eckert: „In kommerzieller Hinsicht sind Soziale Medien ein übermächtiger Mitbewerber“

Sind Soziale Medien ein Segen oder ein Fluch für die Medienbranche?

André Eckert: Beides, Soziale Medien sind nützlich beim Reichweitenaufbau und bei der Ansprache neuer Zielgruppen. In kommerzieller Hinsicht sind Soziale Medien jetzt schon übermächtiger Mitbewerber, die massiv Werbespendings abziehen und damit die nationale Wertschöpfung schwächen. Aus redaktioneller Sicht ist die Verbreitung von „Fake News“ über Soziale Medien ein Dauerthema.

Der Großteil des Online-Werbebudgets geht an Facebook und Google. Was kann die Medienbranche machen, damit dieses Budget gerechter verteilt wird?

André Eckert: Es braucht faire Rahmenbedingungen und ein „Level Playing Field“. Dazu müssen wir einen intensiven Dialog mit der Politik führen, um den Digitalstandort und damit Arbeitsplätze und inhaltliche Qualität zu sichern. Juristisch müssen Facebook und Co. endlich als Medienanbieter und nicht als Tech-Plattformen klassifiziert werden. Es ist vergleichbar mit Uber, das ebenfalls nicht mehr nur als Vermittlungsplattform, sondern als Fahrdienstanbieter eingestuft wird. Niemand scheut den Wettbewerb und das Angebot der heimischen Publisher und Contentanbieter muss sich nicht verstecken. Hier ist die EU am Zug, um faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Dabei braucht es auch Augenmerk auf die nötigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die durch die ausufernde ePrivacy-Richtlinie teilweise stark beschnitten werden können.

Wenn sie zwei medienpolitische Wünsche umsetzen dürften, welche wären das?

André Eckert: Einen wichtigen Schritt hat die neue Bundesregierung unter Sebastian Kurz mit dem Bekenntnis zur „digitalen Betriebsstätte“ bereits gesetzt, der ein europäisches Vorzeigemodell werden kann. Jetzt warten wir auf eine rasche Umsetzung. Auf EU-Ebene erwarte ich mir ein klares Bekenntnis zum Digital- und Medienstandort und die Schaffung eines fairen, gleichberechtigten und kontrollierten Marktumfelds.

 

André Eckert, Geschäftsführer, Russmedia Digital GmbH & Präsident des iab austria
Foto: 
André Eckert
Das Interview wurde schriftlich durchgeführt.