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Wagner: “Soziale Medien sollen als Medien wahrgenommen werden”

Sind Soziale Medien ein Segen oder ein Fluch für die Radiobranche?

Alexander Wagner: Beides. Soziale Medien erlauben uns eine individuellere Kommunikation mit unserer Community. Andererseits sind sie ein zusätzliches Medium, das natürlich auch finanzielle Mittel vom Werbemarkt abzieht. Wichtig ist, dass Europa sich klar wird, dass Soziale Medien – wie der Name schon sagt – Medien sind und dementsprechend ebenfalls den gesetzlichen Regeln unterliegen sollten.

Der Großteil des Online-Werbebudgets geht an Facebook und Google. Welches Potenzial steckt in der Onlinewerbung für die Radiobranche?

Alexander Wagner: Die Herausforderung liegt darin, den Content der Onlinewerbung unserer Kunden zu verbessern und auf die Zielgruppe abzustimmen. Einfach nur Banner zu schalten oder Postings zu sponsern ist weder auffällig noch originell. Wir spezialisieren uns darauf, gemeinsam mit dem Kunden interessanten und lebendigen Content zu schaffen, für den sich unsere Zielgruppe interessiert.

Wenn sie zwei medienpolitische Wünsche umsetzen dürften, welche wären das?

Alexander Wagner: Der wichtigste Punkt, dass soziale Medien als Medien wahrgenommen werden und sie dementsprechend Verantwortung übernehmen. Ihr Geschäftsmodell besteht darin, Content für den Konsumenten anzuordnen und im Umfeld dieses Contents Werbung zu platzieren – exakt wie bei herkömmlichen Medien. Dass sie für die Generierung des Contents kostenlos auf die Bevölkerung und herkömmliche Medien zurückgreifen, darf keinesfalls zu ihrem Vorteil ausgelegt werden. Ganz im Gegenteil: sie müssten daher umso mehr in die Verantwortung genommen werden! Zum jetzigen Zeitpunkt ziehen sich Facebook und Co. komplett aus dieser Verantwortung heraus und optimieren ihre Algorithmen ausschließlich mit dem Ziel der Gewinnmaximierung. Lippenbekenntnisse von Mark Zuckerberg sind da zu wenig. Hier ist der Gesetzgeber gefragt.

Als zweiten Wunsch sei der Ruf nach einem fairen dualen Markt in Österreich angeführt. Es besteht nach wie vor eine unglaubliche Schieflage der Voraussetzungen zwischen dem ORF und privatem TV & Radio. Der ORF erhält jährlich etwa 700 Millionen Euro ohne wirkliche Kontrolle, um einen schwammigen öffentlich-rechtlichen Auftrag umzusetzen, während der gesamte private TV & Radiomarkt mit nur 15 Millionen gefördert wird. Es ist allseits bekannt, dass die 700 Millionen des ORFs bei weitem nicht für den wahren öffentlich-rechtlichen Auftrag eingesetzt werden, sondern durchaus dazu verwendet werden, um sich gegenüber den Privaten Marktanteile zu kaufen – sei es durch intensive Plakatkampagnen, kostenintensiven Content aus den Bereichen Sport & Film oder auch durch eine marktverzerrende Personal- und Werbekostenpolitik.

Alexander Wagner, Geschäftsführer, Radio Energy
Foto: Radio Energy
Das Interview wurde per E-Mail schriftlich durchgeführt.