Skip links

Turnheim: “JournalistInnen sollten nicht kostenlos ihr berufliches Wissen an Twitter, Facebook und Co. verschenken”

Haben sich die Arbeitsbedingungen für Journalisten in den letzten Jahren verschlechtert oder verbessert?

Fred Trunheim: Ja, leider. Kündigungen von oft erfahrenen Journalistinnen und Journalisten und prekäre Dienstverhältnisse bei jungen Kolleginnen und Kollegen haben zu einer Verunsicherung von Journalisten, aber auch anderen Medienmitarbeitern, wie Kameraleuten, Cuttern etc. geführt. Immer weniger Leute müssen immer mehr journalistische Produkte herstellen. Besonders erschreckend ist, dass das Leitmedium des Landes, der öffentlich-rechtliche ORF eine Sparpolitik macht, die bereits an die Substanz des ORF geht. Dieser, von der Politik aufgezwungene, Sparkurs darf aus demokratiepolitischen Gründen keinesfalls fortgesetzt werden, denn was darunter leidet ist die Glaubwürdigkeit der Medien.

Haben Soziale Medien positive oder negative Auswirkungen auf die Medienbranche?

Fred Trunheim: Leider sind die Auswirkungen negativ. Es lassen sich Fake News schneller und leichter produzieren, als professionell recherchierte Nachrichten. Daher benötigen wir in Österreich dringend Pädagogen, die sich mit der Wirkung von Medien auskennen und dies den Kindern erklären. Medienerziehung fängt bereits im Kindergarten an. Aber auch die Medienbranche ist hier gefordert einen vernünftigen Umgang mit den Bürgerjournalisten zu pflegen. Und, Journalistinnen und Journalisten sollten nicht kostenlos ihr berufliches Wissen an Twitter, Facebook und Co. verschenken.

Wenn sie zwei medienpolitische Wünsche umsetzen dürften, welche wären das?

Fred Trunheim: Erstens, nationale Gesetze die die Grund- und Menschenrechte und damit die Pressefreiheit fördern und nicht einschränken. Zweitens, Presseförderung wird ähnlich der Filmförderung organisiert und dient der Innovationsförderung neuer journalistischer Produkte und nicht der Gewinnmaximierung mancher Verlage. Und wenn ich noch darf, drittens,  die Abschaffung der RTR

 

Fred Turnheim, Präsident, Österreichischer Journalisten Club
Foto: Österreichischer Journalisten Club
Das Interview wurde per E-Mail schriftlich durchgeführt.