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Nowak: „Dass selbst linke Journalisten gratis für US-Konzerne arbeiten ist absurd“

Sind Soziale Medien ein Segen oder ein Fluch für die Medienbranche?

Rainer Nowak: Für die Medien und die Journalisten ein Segen: Wir erreichen mehr Menschen auf neuen Kanälen! Für den klassischen Anzeigenverkauf sind sie ein Fluch, da sie uns allen Erlöse kosten. Sie zwingen uns neue Erlösquellen zu erschließen. Für die gesamte Welt kann ich es nicht beurteilen. Grundsätzlich stehe ich jedoch jeder neuen Technologie positiv gegenüber.

Aber das Journalisten gratis Content für Facebook und Co. liefern kann doch nicht in Ihrem Sinne sein?

Rainer Nowak: Dass selbst linke Journalisten gratis für US-Konzerne arbeiten ist absurd und der Gedanke daran amüsiert mit jedes Mal aufs Neue. Es ist ein großer Treppenwitz der Mediengeschichte. Aber Kanäle und Konzerne wie Twitter und Instagram funktionieren nur so gut, weil Journalisten eben sehr eitel sind. Endlich kann jeder auch seine Meinung kundtun, endlich kann jeder Model spielen. Auch wenn es zum Nachteil für ihren eigenen Arbeitgeber und Arbeitsplatz ist.

Der Großteil des Online-Werbebudgets geht an Facebook und Google. Welche Möglichkeiten sehen sie für herkömmliche Medien das Online-Werbebudget fairer zu verteilen?

Rainer Nowak: Indem wir durchzusetzen was es im Print-Bereich gibt. Also bei Anzeigenkunden qualifizierte Reichweite. Und wir bieten unsere exklusiven Inhalte nur gegen Bezahlung an. Rund 19 Prozent unserer Abonnenten sind bereits reine Digital-Abonnenten. Dabei kommt es uns nicht nur auf Klicks an, sondern auf eine qualifizierte Reichweite. Dieses System funktioniert bereits sehr gut. Netflix leistet man sich doch auch.

Wenn sie zwei medienpolitische Wünsche umsetzen dürften, welche wären das?

Rainer Nowak: Keine Sonntagsreden mehr, sondern einfach machen. Am besten bauen wir alles neu auf. Wir beginnen auf einer grünen Wiese, mit einer neuen Presseförderung, mit öffentlichen Inseraten per Ausschreibung und mit öffentlich-rechtlichen Inhalten, für dessen Förderung sich jedes Medium bewerben kann und über deren Vergabe eine Jury entscheidet, natürlich nach einem fairen Verteilungsschlüssel. Wird es nur nicht geben.


Rainer Nowak, Chefredakteur, Die Presse

Foto: Wikimedia

Das Interview wurde telefonisch durchgeführt.