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Transparente Filter

Nach welchen Kritikern die Nachrichtenfilter der Plattformen Beiträge sortieren ist ein großes Geheimnis das endlich zugunsten der Blogger gelüftet werden sollte.

Rund 400.000 Blogger existieren in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Viele von ihnen leisten einen wertvollen Beitrag zu allen möglichen gesellschaftlichen Bereichen. Meist unentgeltlich in ihrer Freizeit. Ihr Lohn ist die Freude oder die Erkenntnis ihrer Leser. Kurz: Blogger leben von der Aufmerksamkeit ihrer Beiträge. Dafür benötigen sie Reichweite. Plattformen stellen dafür einen unumgänglichen Distributionskanal dar. Doch es wird immer schwieriger die Leser dort auch tatsächlich zu erreichen.

Organische Reichweite sinkt 

Denn im News Feed der Plattform-User landet nur ein Bruchteil der möglichen Beiträge. Facebook etwa zeigt lediglich 10 Prozent der möglichen Beiträge an. Das heißt, 90 Prozent der Inhalte erreichen den User nicht. In absoluten Zahlen: Von den möglichen 2000 Beiträgen die auf einen Facebook-User im Durchschnitt pro Besuch warten, kann er nur 200 sehen.

Schafft der Blogger es dann doch auf den News Feed seiner Leser, ist die Chance tatsächlich gelesen zu werden nochmals äußerst gering. Denn die Klick-Rate bei einem Posting im News Feed an zehnter Stelle oder darunter liegt gerade einmal bei zehn Prozent. Die organische Reichweite ist also sehr gering und, das zeigen auch Studien, sie sinkt von Jahr zu Jahr.

Werbekosten steigen

Als Ausweg bleibt den Content-Produzenten dann meist nur noch die kostenpflichtige Werbung. Für Publisher, die unentgeltlich ihr Werk erstellen, ist das keine authentische und leistbare Alternative. Und während die organische Reichweite zunehmend sinkt, die Kosten für Werbung auf Facebook und Co. stetig ansteigen, klingelt es in den Kassen der Plattformen.

Denn der überwiegende Teil der rund 30 Milliarden Umsatz den Facebook jährlich erzielt, stammt von Werbekunden. Und von den 6,3 Milliarden Euro Online-Werbebudget in Deutschland, fließt bereits eine Milliarde an Facebook. Google (Youtube) und Facebook zusammen kassieren rund 80 Prozent des deutschen Online-Werbekuchens.

Transparente Filter

Doch nach welchen Kriterien der Algorithmus von Facebook die Beiträge auswählt und reiht, bleibt ein Geheimnis. Klar ist lediglich, dass die Interaktionen mit Freunden, die Anzahl der Kommentare und „Gefällt mir“ sowie die Art der Meldung die Wahrscheinlichkeit beeinflusst. Doch wie genau und welche weiteren Kritikern herangezogen werden ist nicht wirklich bekannt.

Das muss sich ändern. Facebook und Co. sollen verpflichtend ihre Filter-Kriterien offenlegen. Damit könnten Blogger und Journalisten gezielter ihre Beiträge verbreiten. Es könnte ein fairer und vor allem offener Wettbewerb um die beste Reichweite entstehen. Blogger hätten dann die Möglichkeit ihre organische Reichweite maximal zu erhöhen und wären von kostenpflichtiger Werbung weniger abhängig.

 

Text: Johannes Knierzinger
Foto: @jtylernix